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Führung: Aktives Bearbeiten von Paradoxien

Autorenbild: Annette Gebauer
Annette Gebauer
18. Nov. 2024
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Sept.

Und was man darüber von Hochrisiko-Organisationen lernen kann...


Neuen Lesestoff zum Management von Paradoxien gibt es in der neuen Gruppe, Interaktion, Organisation (GIO), die sich rund um den Schwerpunkt des Paradoxiemanagements dreht.


Neben anderen spannenden Beiträgen habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie Hochrisikoorganisationen Paradoxien managen und warum dies auch für andere Organisationen spannend sein kann.


Meine Überlegung dazu: Hochrisikoorganisationen haben ja einen "extremen", eigentlich unmöglichen Auftrag: Es wird von ihnen erwartet, möglichst 100% ige Sicherheit zu garantieren, obwohl 100%ige Sicherheit unmöglich ist.


Und das ist auch der Grund, warum bestimmte Paradoxien im Alltag immer wieder durchblitzen und nach Bearbeitung suchen.


Für den eiligen Leser hier ein paar wichtige Take-Aways:


Sicherheit entsteht in komplexen, risikoreichen Organisationen nicht durch maximale Kontrolle allein. Sie entsteht dadurch, dass Organisationen den dauerhaften Spannungszustand zwischen Kontrolle und Anpassungsfähigkeit aktiv bearbeiten.


Die Herausforderung für Führung besteht darin, eine gelingende Balance der Paradoxie von Kontrolle und Anpassung hinzubekommen:


Kontrolle

Agilität & Anpassung

Regeln, Standards, Hierarchie, Planbarkeit (feste Kopplungen)

situatives Entscheiden, Lernen, dezentrale Expertise, Flexibilität

(lose Kopplungen)

schützt vor bekannten Fehlern

hilft bei unerwarteten Situationen

kann bei Übermaß träge und blind machen ("Dienst nach Vorschrift")


effizienter (Lösung ist da, braucht keine Entscheidung)

passt nicht in neuen Situationen & führt dann zum Exzess (immer mehr Kontrolle)

kann bei Übermaß Unsicherheit & Grauzonen entstehen lassen,

dauert länger und braucht mehr Kommunikation/Entscheidung


Orientierung geht verloren (Was gilt?)


In der Sicherheitsarbeit geht also nicht um ein entweder oder, sondern um ein smartes Sowohl-als-Auch: Je nach Lage muss eine Organisation verlässlich standardisieren und schnell und flexibel reagieren können.


Weitere Sicherheitsparadoxien die im Artikel thematisiert werden:

  • Stabilität vs. Erneuerung: Routinen machen Abläufe sicher, können aber verhindern, dass man auf neue Risiken reagiert.

  • Zentralisierung vs. Dezentralisierung: Zentrale Steuerung schafft Übersicht und Verbindlichkeit; vor Ort ist jedoch oft das entscheidende Wissen vorhanden.

  • Effizienz vs. Qualität/Sicherheit: Effizienz kann Sicherheitsreserven, Redundanzen und Zeit für Reflexion wegoptimieren.

  • Individuelle Verantwortung vs. Lernen über die systemischen Bedingungen: Einerseits sollen Mitarbeitende Verantwortung für ihr Sicherheitsverhalten übernehmen. Andererseits braucht es eine Atmosphäre ohne Suche nach den verantwortlichen Verursachern, wenn man etwas über die zugrundeliegenden Zusammenhängen von Fehlern lernen möchte.


Für die Praxis besonders interessant sind die typischen Muster im Umgang mit den angesprochenen Paradoxien. Sie können gut für eine erste Nabelschau dienen:

  1. Oszillieren:

    Die Organisation pendelt zeitversetzt zwischen den beiden Polen – Solange nichts passiert, kann sich das Management vor allem auf Effizienz und Produktivität konzentrieren. Erst wenn etwas passiert, wird Sicherheit als Wert über Effizienz und Produktivität gestellt.


  2. Abspaltung:

    Sicherheit wird an Sicherheitsexperten delegiert, während sich das Management aufs Geschäft konzentrieren kann. 


  3. Scheinheiligkeit: Sicherheit wird nach außen als oberster Wert propagiert, bei dem es keine Kompromisse gibt. Aber informell wissen alle, dass es im Alltag anders läuft…


Die beschriebenen Muster entstehen vor allem dann, wenn man die Paradoxiebearbeitung nicht explizit zum Thema macht und so tut, als würden sie nicht exisitieren, sondern sie dem natürlichen Dritten in der Organisation überlässt.


Deshalb sind Führungsteams gut beraten, die zugrunde liegenden Paradoxien und ihre Bearbeitungsformen gemeinsam unter die Lupe zu nehmen.


Meine Hyptothese ist, dass es anders als in anderen Organisationen schwieriger, diese Paradoxien zu verdecken. Also so zu tun, als gäbe es sie nicht.



Es lässt sich also viel lernen über das Managen von Paradoxien. Wen das interessiert, der erfährt mehr im Artikel. LINK



Viel Spaß beim Lesen!


 
 
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